Bouquinisten von Paris: die Buchhändler an der Seine

Aktualisiert am: Dienstag, 18. April 2017
Bouquiniste Paris Buchhändler Seine (2)

Die Stadt an der Seine hat viel zu bieten, doch außer den berühmten Denkmälern, den beeindruckenden Gebäuden und Wahrzeichen sind es vor allem die Menschen, die mit Traditionellem das eigentliche Flair der französischen Hauptstadt ausmachen. So zum Beispiel die Bouquinisten von Paris, die zu beiden Seiten der Seine heute noch ihre Bücher, Comics, historische Zeitungen, Postkarten und andere Kostbarkeiten anbieten und denen ein interessierter Besucher der Stadt unbedingt einen Besuch abstatten sollte. Wer diese Antiquare nicht erlebt hat, verpasst etwas sehr Charakteristisches von Paris. In diesem Artikel Artikel findet ihr alle Infos über die sogenannten Bouquinistes, die Buchhändler an der Seine in Paris.

Die Anfänge der Freiluft-Buchhändler an der Seine

Les Bouquinistes – Mit dieser Bezeichnung, die es seit der Französischen Revolution 1789 gibt und die damals offiziell in das Wörterbuch der Académie française aufgenommen wurde, bekamen die „Altbuchhändler“ an der Seine ihren Namen. Was in der Mitte des 16. Jahrhunderts mit verbotenen Ständen kleiner Markt-Hausierer begonnen hatte, die damals noch reisende Buchhändler waren, und ihre Kisten abends anderenorts unterstellen mussten, das entwickelte sich zu einem beständigen Buchhandel.

Daten und Fakten zu den Bouquinistes

Anfangs hatten sie ihr Domizil auf der ältesten Brücke von Paris, dem Pont Neuf. Die Bouquinisten durften etwa ab 1816 ihre Kisten auf den Ufermauern stehenlassen und ab 1859 gingen sie dort an festgelegten Punkten ihren Geschäften nach. Sie erwarben eine Lizenz und zahlten eine Jahresgebühr. Mit diesem Erhalt einer Konzession hatten sie Anspruch auf zehn Meter Fläche entlang der Quaimauern. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang markierten die Öffnungszeiten. Anfang der 1930er Jahre wurde dann die Länge der einzelnen Stände auf maximal acht Meter reduziert. So ist es heute auch noch.

Bouquinistes Paris

Im Oktober 1993 wurde noch einmal eine Änderung per Gesetz für die Boxen vorgenommen. Jacques Chirac, der von 1977 bis 1995 Bürgermeister von Paris war, unterzeichnete es. Darin waren eine Länge von zwei Metern und eine Breite von 0,75 Metern festgelegt. Die obere Kante einer geöffneten Box durfte 2,1 Meter über dem Boden nicht überschreiten. Für die geschlossenen Boxen galten auf der Seite der Seine 0,6 Meter und für die Uferseite 0,35 Meter. Diese einheitlichen Abmessungen haben noch heute Gültigkeit.

Die Bouquinisten des 21. Jahrhunderts

Die Freiluft-Buchhändler von Paris haben längst Kultstatus. Sie sind ein Teil des Charmes, der dieser Stadt eigen ist. Seit rund 350 Jahren prägen sie das Bild der Metropole mit, sind eine lebendige Sehenswürdigkeit geworden und stellen letztendlich einen der größten Buchläden der Welt dar. Die grünen Klappstände der Bouquinisten, die sich mittlerweile zu beiden Seiten der Seine platziert haben, gehören – wie das Seine-Ufer selbst – zum Weltkulturerbe der UNESCO.

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Die Stände ziehen sich heute rechts der Seine entlang vom Quai de la Mégisserie bis zum Quai du Louvre. Auf der linken Seite des Flusses findet man die Bouquinisten vom Quai de la Tournelle bis hin zum Musée d’Orsay am Quai Voltaire. Von den etwa 240 Freiluft-Buchhändlern, die es heute noch in Frankreich gibt, stehen 217 in Paris und versuchen ihre antiquarischen oder inzwischen auch zeitgenössischen Bücher und andere literarische Artikel zu verkaufen. Insgesamt sind es rund 300.000 Werke, die in der drei Kilometer langen Seine-Bücherei angeboten werden.

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Die Straßenbuchhändler öffnen ihre „Schachteln“ an mehreren Wochentagen. Bei schlechtem Wetter bleiben die Stände geschlossen. Verkaufssaison ist von März bis Oktober. Während manche Stände bereits vormittags oder mittags verkaufsbereit sind, öffnen die meisten Bouquinisten jedoch erst am Nachmittag, denn einige von ihnen müssen noch einer anderen Arbeit nachgehen.

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Wenngleich die Stadtverwaltung von Paris alles tut, um die Tradition der Bouquinisten aufrecht zu halten, ist es schwer, von diesem Dasein zu leben. Reich wird niemand davon. Das Internet stellt eine große Konkurrenz dar. Die Touristen flanieren gern an den Bücherständen vorbei, sind aber hauptsächlich an Souvenirs interessiert. Immerhin darf jeweils eine der grünen „Boxen“ mit Andenken gefüllt werden, die sich leichter verkaufen. Auf diesen Kompromiss hat sich die Stadtverwaltung eingelassen, um den Buchhändlern damit eine halbwegs sichere Einnahmequelle zu gewährleisten. Trotz dieser modernen Veränderung liegen viele neue Bewerbungen vor. Genehmigungen für Lizenzen werden sorgfältig geprüft, bevor sie erteilt werden. Die Antragsteller müssen mitunter viele Jahre darauf warten.

Was kann man an den Bouquiniste-Ständen kaufen?

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Neben den zahlreichen Erinnerungsstücken haben aber auch heute noch die alten und neuen Bücher, die Zeitschriften aus vergangenen Zeiten, die Handelskarten, Kunstdrucke oder Briefmarken Vorrang im Sortiment. Es gibt auch tolle Posters von den Kabaretts und alte Werbeplakate von Air France zu kaufen. Ich habe sogar ein paar deutsche Zeitschriften und Bücher gesehen.

Gerade die Bouquinisten, die ihre Stände seit mehreren Generationen betreuen, strahlen immer noch die literarische Begeisterung ihrer Eltern und Großeltern aus, und lassen sich diese auch von den modernen Zeiten nicht nehmen. Für sie fließt die Seine nach wie vor zwischen zwei Bücherregalen hindurch.

Wo befinden sich die Stände der Bouquinistes?

Die Stände der Buchhändler reihen sich am nördlichen bzw. rechten Seine-Ufer vom Quai du Louvre bis hin zum Quai de la Mégisserie auf. Auf dem südlichen bzw. linken Seine-Ufer findet man ihre Stände zwischen dem Quai de la Tournelle und dem Quai Voltaire.

Bevorzugt die Stände am südlichen Seine-Ufer. Die Straße nördlich der Seine ist sehr befahren und oft sind dort mehr Touristen unterwegs als im Süden.

Was sind die Öffnungszeiten der Buchhändler an der Seine?

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Es keine genauen Öffnungszeiten, da viele Bouquinistes nebenbei noch arbeiten. Generell ist es so, dass morgens eher wenige Stände geöffnet sind. Erst mittags oder am Nachmittag öffnen die meisten der Händler ihr grünen Kisten.

Etwas mehr Betrieb herrscht am Wochenende oder während der Schulferien und in der Hochsaison: Dann sind viele der Stände auch jeden Tag den ganzen Tag geöffnet.

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