Katakomben von Paris | Spannender Besuch im Reich der Toten

Katakomben Paris

In den Katakomben von Paris, dem größten Beinhaus der Welt, liegen die Knochen von insgesamt 6 Millionen Menschen… Ein makaberer Ort, der eine ganze besondere Faszination ausübt und jedes Jahr tausende von Touristen aus aller Welt anzieht. In diesem Artikel erfahrt ihr, was euch unten in der Finsternis erwartet. Außerdem verrate ich euch wie üblich ein paar praktische Insider-Infos für euren Besuch der Pariser Katakomben.

Neu: Tickets ohne Wartezeiten für die Katakomben

Die Katakomben sind eine der Sehenswürdigkeiten in Paris mit den längsten Wartezeiten. Aus Sicherheitsgründen dürfen sich in den alten Steinbrüchen nämlich niemals mehr als 200 Menschen zur gleichen Zeit aufhalten, sodass auf der Straße ein Rückstau entsteht. Bisher war es fast unmöglich, die Warteschlangen zu umgehen. Doch seit Mitte 2016 gibt es nun endlich auch Ohne Anstehen-Tickets für die Katakomben. Wer die Tickets im Voraus bucht, muss nicht bis zu 2 Stunden anstehen und kann die Katakomben sofort betreten. Ihr solltet euch unbedingt diese spezielle Eintrittskarten besorgen, wenn ihr vorhabt, die Katakomben zu besichtigen. Die Wartezeit für Personen ohne Tickets ist jetzt nämlich noch ein wenig länger, da Besucher mit Skip-the-line Tickets sich ganz vorne in die Warteschlange einreihen dürfen (auch wenn das zugegebenermaßen ein bisschen unfair ist…).

Die Geschichte der Katakomben

Als Katakomben bezeichnet man die alten Steinbrüche, die sich unter der Stadt Paris befinden. Über einen Zeitraum von 2.000 Jahren wurde in diesen Stollen der Kalkstein abgebaut, der für den Häuserbau verwendet wurde und so typisch für die Fassaden der Haupstadt ist. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden so knapp 300 Kilometer Tunnel unter der Hauptstadt. Als es dann im 18. Jahrhundert aufgrund der fehlenden Stabilität des Unterbodens zu ersten Hauseinstürzen kam, wurden die Katakomben größtenteils geschlossen. Eine Behörde wurde ins Leben gerufen, die sich bis heute um die Sicherheit des Pariser Unterbodens kümmert: die Inspection Générale des Carrières.

Plan Katakomben Paris
Plan der Katakomben, erstellt von Inspection Générales des Carrières.

Zur gleichen Zeit kam es in Paris zu schweren Seuchen und Hungersnöten. Die Friedhöfe waren überfüllt und die Ruhezeiten konnten nicht mehr eingehalten werden. Die Gräber waren doppelt und dreifach belegt und an einigen Stellen lagen die Menschenteile sogar bis an die Oberfläche. Es herrschten unhaltbare Zustände und der Verwesungsgeruch war teilweise so stark, dass die Bewohner in der Nähe der Friedhöfe in Ohnmacht fielen. Um dieses Problem zu lösen wurden die Gebeine von knapp 6 Millionen Menschen in die alten Stollen überführt. So entstand das Beinhaus, das man heutzutage besichtigen kann.

Ruhig wurde es untertage trotzdem nicht. Während der französischen Revolution wurden die Stollen z.B. von den Rebellen als versteckt genutzt. Auch die Deutschen nutzten die alten Tunnel im zweiten Weltkrieg und errichteten dort einen unterirdischen Bunker.

In den 80er Jahren sorgten die „Cataphile“ für Aufregung. Diese Katakombenfreaks verschafften sich nachts Zugang zu den alten Steinbrüche und feierte dort wilde Partys. Einige blieben wochenlang untertage. Es wurde sogar von schwarzen Messen, Satanisten und Orgien berichtet. Um dieses Phänomen einzudämmen, wurde eine spezielle Polizeieinheit gegründet, die auch heute noch jeden Tag durch die Stollen marschiert, um illegalen Besuchern auf die Schliche zu kommen. Vor einigen Jahren sind sie sogar auf eine Party mit knapp 300 Gästen gestoßen. Die wohl bemerkenswerteste Entdeckung dieser Einheit bleibt aber wohl der voll ausgestattete Kinosaal direkt unter der französischen Cinemathek!

Auch heute steigen noch zahlreiche Möchtegernforscher illegal in das löchrige Labyrinth unter der Stadt hinab. Ein gefährliches Unterfangen: Viele Stollen sind einsturzgefährdet. Teilweise steht man sogar bis zur Hüfte im Wasser. Wer von der Polizei erwischt wird, muss mit 60 € Strafe rechnen.

Wartezeiten an den Katakomben in Paris

Wartezeiten Warteschlange Katakomben Paris

Wer die Katakomben besichtigen will, sollte Folgendes wissen: Aus Sicherheitsgründen dürfen sich zu keinem Zeitpunkt mehr als 200 Personen gleichzeitig in den alten Steinbrüchen aufhalten. Dies führt dazu, dass es am Eingang zu langen Warteschlangen kommen kann. Rechnet deshalb mit mindestens 30-45 Minuten und bis zu 2 Stunden Wartezeit (insbesondere am Wochenende). Ein kleiner Trick, um Zeit zu sparen: Seid etwa eine halbe Stunde vor Öffnung der Katakomben vor Ort, dann kommt ihr als erstes rein. Update 27.09.2016: Kann man die Wartezeiten irgendwie anders umgehen? Ja, seit Mitte 2016 gibt es nun auch Ohne Anstehen-Tickets für die Katakomben (siehe oben).

Besichtigung der Katakomben

Der Eingang der Katakomben befindet sich umittelbar an der Station Denfert-Rochereau (Metrolinien 6 und 4, RER-Linie B). Nachdem ihr die Wartezeit hinter euch gebracht hat, könnt ihr am Schalter euer Ticket kaufen und einen Audioguide ausleihen. Ich rate unbedingt dazu, den Audioguide zu nehmen. Warum? Das verrate ich euch etwas weiter unten.

Treppen Katakomben Paris

Nachdem ihr euer Ticket gekauft haben, geht es erst mal steil bergab. 130 Stufen führen euch hinab in die Katakomben, die sich knapp 30 Meter unter der Erdoberfläche befinden. Besonders einladend sehen die Treppen nicht aus – aber sie führen ja schließlich auch ins Reich der Toten.

Was einem unten sofort auffällt: Es ist frisch. Die Temperatur in den Katakomben beträgt das ganze Jahr über ca. 14°C. Im Winter nicht unangenehm, doch im Sommer kann dies für eine unangenehme Überraschung sorgen. Nehmt also eine leichte Jacke oder einen Pullover mit, wenn ihr die Katakomben zu dieser Jahreszeit besucht.

Steinbrueche Katakomben Paris

Der erste Teil der Besichtigung führt euch durch die ehemaligen Steinbrüche, aus denen – wie oben erwähnt – seit den Römern der Kalkstein für die Häuser gewonnen wurde. Man beachte den schwarzen Streifen an der Ecke, der damals zur Orientierung genutzt wurde. Wer ein bisschen mehr über die Entstehung der Katakomben und den Unterboden der Stadt erfahren möchte, findet auf zahlreichen Tafeln Infos zu diesen Themen.

Informationstafeln Katakomben Paris

Und ganz plötzlich steht ihr dann vor einem Schild: „Arrête! C’est ici l’Empire de la Mort!“ (auf deutsch: „Stopp! Hier ist das Reich des Todes!“) Langsam wird es spannend, denn jetzt betretet ihr das Beinhaus.

Arrete c'est ici que commence l'empire de la mort Katakomben Paris

Der erste Eindruck ist beeindruckend. Rechts und links liegen aufgestapelt die Gebeine von Millionen von Menschen. Die sorgfältig arrangierten Knochen- und Schädelreihen reichen bis unter die Decke und bilden verschiedene geometrische Formen und Muster. An einigen Stelle kann man über die Knochenmauern hinweg schauen. Dahinter sind die restlichen Knochen aufgeschüttet.

Knochen Katakomben Paris

Der ca. 2 Kilometer lange Rundgang führt euch an diversen Formationen vorbei. Verschiedene Gedenktafeln informieren euch, aus welchen Friedhöfen die verschiedenen Knochen stammen. Außer Knochen gibt es allerdings nichts zu sehen, deswegen rate ich euch, den Audioguide am Eingang mitzunehmen, um interessante Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Gedenkstätten zu erfahren.

Katakomben Paris Knochenmuster

Nach ca. 45-50 Minuten ist die Besichtigung vorbei und es geht wieder 80 Stufen hinauf zum Ausgang. Achtung: Die Versuchung, einen kleinen Kinderschädel als Souvenir für den Kamin mitgehen zu lassen, kann für einige Besucher groß sein… Doch Finger weg: Am Ausgang werden nämlich Taschenkontrollen durchgeführt! Was genau passiert, wenn man mit einem Schlüsselbein oder einem Beckenknochen erwischt wird, weiß ich nicht, doch schon aus Respekt vor den Toten sollte man sowieso von diesem Verhalten absehen.

Katakomben Paris Verbot Interdit

Der Ausgang der Katakomben befindet sich nicht an der gleichen Stelle wie der Eingang, was bei einigen Touristen für Verwirrung sorgt. Bevor ihr aber euren Stadtplan herauskramt, solltet ihr unbedingt den Souvenir-Shop der Katakomben besuchen (direkt gegenüber vom Ausgang der Katakomben). In diesem kleinen Geschäft gibt es zahlreiche Artikel, die in Verbindung mit den Katakomben stehen. Meinen Artikel über diesen Shop findet ihr hier.

Alles in einem ist der Besuch der Katakomben (mit Audioguide) ein interessantes Unterfangen, und bietet eine willkommene Abwechslung zu den klassischen Sehenswürdigkeiten wie z.B. dem Eiffelturm.

Führungen durch die Katakomben

Es gibt einige Führungen, die einem die Geschichte der Katakomben näher bringen (auch mit Storys zu der speziellen Polizeieinheit, den Cataphiles und den diversen Hauseinstürzen). Diese Touren werden allerdings leider nur auf Englisch oder Französisch abgehalten. Wer dennoch an diesen Führungen interessiert ist, kann sich hier die Angebot ansehen.

Audioguide der Katakomben

Audioguide Katakomben Paris

Der Audioguide ist wirklich sehr interessant und auch auf Deutsch verfügbar. Ihr könnt euch den Guide am Eingang für 5 € ausleihen. Kleiner Tipp, um einen bisschen Geld zu sparen: Leiht euch nur einen Audioguide für 2 Personen aus. Der Ton ist laut genug, damit zwei Personen problemlos zuhören können. Man sollte sich jedoch gut kennen und keine Berührungsängste haben, da man eng aneinander stehen muss.

Platzangst

Platzangst Katakomben

Ein Wort, das oft in Verbindung mit den Katakomben fällt, ist Platzangst. Muss man in den Katakomben Platzangst haben? Jein… Auch wenn sich 200 Personen gleichzeitig in den Katakomben aufhalten können, heißt das noch lange nicht, dass es dort unten eng ist. Ganz im Gegenteil! Die Deckenhöhe beträgt eigentlich immer mehr ungefähr 2 Meter und die Gänge sind auch nur selten wirklich schmal. Außerdem ist der Rundgang 2 Kilometer lang, sodass es für alle Besucher ausreichend Platz gibt und es so auch nie zu „Staus“ kommt. Richtig eng wird es eigentlich nie. Personen, die unter Platzangst leiden, sollten dennoch für sich selbst entscheiden, ob sie den Rundgang antreten möchten. Im Zweifelsfall rate ich davon ab. Szenen wie in dem Film Katakomben, wo die Protagonisten auf allen Vieren über Knochenberge kriechen müssen, bleiben euch aber auf jeden Fall erspart!

Filme über die Katakomben

Es gibt zahlreiche Filme, die in den Pariser Katakomben spielen. Allerdings wurden diese Filme nie in Originalkulisse gedreht. Erst 2013 hat die Stadt Paris zum ersten Mal Dreharbeiten in den alten Steinbrüchen zugestimmt. Das Ergebnis ist der 2014 erschienene Film mit dem Namen „Katakomben“. Wer sich den Streifen vor seiner Parisreise reinziehen will, findet in diesem Artikel weitere Informationen zum Film!

Eintrittspreise für die Katakomben

Der Eintrittpreise für die Katakomben liegt bei 12 € für Erwachsene. Jugendliche bis einschließlich 25 zahlen 10 € Eintritt. Behinderte Personen mit einer Begleitperson können die Katakomben gratis besichtigen (Achtung: die Katakomben können nicht mit einem Rollstuhl besichtigt werden.). Für den Audioguide müsst ihr am Eingang 5 € zahlen. Die Ohne Anstehen-Tickets bekommt ihr für 27 € (Audioguide inkl.).

Öffnungszeiten der Katakomben

Die Katakomben kann man von dienstags bis sonntags von 10 Uhr bis 20:30 Uhr besichtigen. Die Kassen schließen um 19:30 Uhr. Geschlossen sind die Katakomben am Montag und an gewissen Feiertagen (1. Mai und 15. August).

Metrostation / Lage

Der Eingang der Katakomben befindet sich auf dem Platz Denfert-Rochereau. Die genaue Adresse lautet: 1 Avenue du Colonel Henri Rol-Tanguy, 75014 Paris. Die Station direkt am Platz heißt Denfert-Rochereau und wird von den Metro- und RER-Linien 4, 6 und B angefahren.

Der Ausgang befindet sich an der Adresse 36 rue Rémy Dumoncel, 75014 PARIS.

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3 Kommentare

  1. Der Artikel über die Katakomben sollte etwas angepasst werden was den Preis der Tickets (Erwachsene zahlen jetzt 12€) und das Vorbestellen angeht (ist sogar mit einem Link auf dieser Seite möglich).
    Ansonsten toller Artikel. Waren gestern dort. Die Wartezeit ist aber echt lang. Wir haben fast 2h gewartet, insbesondere da jetzt die Leute mit Vorbestellung einfach nur vorne einsortiert werden.

    • Hallo Jörg,
      danke für deine Feedback – ich habe auch gesehen, dass es nun Tickets ohne Wartezeiten für die Katakomben gibt und werde den Artikel in Kürze aktualisieren 🙂
      VG aus Paris, Roman

  2. Mit Abstand das interessanteste, was Paris zu bieten hat.
    Aber die Wartezeiten liegen zur Zeit bei 3 Stunden.
    Die Gründe sind wohl die Sommerferien und der gleichnamige Film.
    Empfehlungswert wäre früh um neun oder spät um halbfünf und am bestens mindestens zu zweit anstellen, denn dann kann immer mal eine/r die Schlange verlassen um hinzusitzen oder ein Getränk oder Snack für die Wartezeit zu kaufen!!

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